Українська та зарубіжна поезія

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Das Gluck eines guten Gewissens



Besitz ich nur
Ein ruhiges Gewissen:
So ist fur mich, wenn andre zagen mussen,
Nichts Schreckliches in der Natur.

Dies ist mein Teil!
Dies soll mir niemand rauben.
Ein reines Herz von ungefarbtem Glauben,
Der Friede Gottes nur ist Heil.

Welch ein Gewinn,
Wenn meine Sunde schweiget;
Wenn Gottes Geist in meinem Geiste zeuget,
Dab ich sein Kind und Erbe bin!

Und diese Ruh,
Den Trost in unserm Leben,
Sollt ich fur Lust, fur Lust der Sinne geben?
Dies lasse Gottes Geist nicht zu!

In jene Pein,
Mich selber zu verklagen,
Der Sunde Fluch mit mir umher zu tragen;
In diese sturzt ich mich hinein?

Lab auch die Pflicht,
Dich selber zu besiegen,
Die schwerste sein! Sie ist’s; doch welch Vergnugen
Wird sie nach der Vollbringung nicht!

Welch Gluck! zu sich
Mit Wahrheit sagen konnen:
Ich fuhlt in mir des Bosen Lust entbrennen;
Doch, Dank sei Gott! ich schutzte mich.

Und welch Gericht!
Selbst zu sich sagen mussen:
Ich konnte mir den Weg zum Fall verschlieben;
Und doch verschlob ich mir ihn nicht.

Was kann im Gluck
Den Wert des Glucks erhohen?
Ein ruhig Herz versubt im Wohlergehen
Dir jeden frohen Augenblick.

Was kann im Schmerz
Den Schmerz der Leiden stillen;
Im schwersten Kreuz mit Freuden dich erfullen?
Ein in dem Herrn zufriednes Herz.

Was gibt dir Mut,
Die Guter zu verachten,
Wonach mit Angst die niedern Seelen trachten?
Ein ruhig Herz, dies grobre Gut.

Was ist der Spott,
Den ein Gerechter leidet?
Sein wahrer Ruhm! Denn wer das Bose meidet,
Das Gute tut, hat Ruhm bei Gott.

Im Herzen rein,
Hinauf gen Himmel schauen,
Und sagen: Gott! du Gott, bist mein Vertrauen!
Welch Gluck, o Mensch, kann grober sein?

Sieh, alles weicht,
Bald wirst du sterben mussen.
Was wird alsdann dir deinen Tod versuben?
Ein gut Gewissen macht ihn leicht.

Heil dir, o Christ!
Der diese Ruh empfindet,
Und der sein Gluck auf das Bewubtsein grundet,
Dab nichts Verdammlichs an ihm ist!

Lab Erd und Welt,
So kann der Fromme sprechen,
Lab unter mir den Bau der Erde brechen!
Gott ist es, dessen Hand mich halt.



Das Gluck eines guten Gewissens - CHRISTIAN FURCHTEGOTT GELLERT