Українська та зарубіжна поезія

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Die kleine Fliege



Neulich sah ich, mit Ergetzen,
Eine kleine Fliege sich,
Auf ein Erlen-Blattchen setzen,
Deren Form verwunderlich
Von den Fingern der Natur,
So an Farb’, als an Figur,
Und an bunten Glantz gebildet.
Es war ihr klein Kopfgen grun,
Und ihr Corperchen verguldet,
Ihrer klaren Flugel Par,
Wenn die Sonne sie beschien,
Farbt’ ein Rot fast wie Rubin,
Das, indem es wandelbar,
Auch zuweilen blaulich war.
Liebster GOtt! wie kann doch hier
Sich so mancher Farben Zier
Auf so kleinem Platz vereinen,
Und mit solchem Glantz vermahlen,
Dab sie wie Metallen scheinen!
Rief ich, mit vergnugter Seelen.
Wie so kunstlich! fiel mir ein,
Mussen hier die kleinen Theile
In einander eingeschrenckt,
Durch einander hergelenckt,
Wunderbar verbunden seyn!
Zu dem Endzweck, dab der Schein
Unsrer Sonnen und ihr Licht,
Das so wunderbarlich-schon,
Und von uns sonst nicht zu sehn,
Unserm forschenden Gesicht
Sichtbar werd’, und unser Sinn,
Von derselben Pracht geruhret,
Durch den Glantz zuletzt dahin
Aufgezogen und gefuhret,
Woraus selbst der Sonnen Pracht
Erst entsprungen, der die Welt,
Wie erschaffen, so erhalt,
Und so herrlich zubereitet.
Hast du also, kleine Fliege,
Da ich mich an dir vergnuge,
Selbst zur GOttheit mich geleitet.



Die kleine Fliege - BARTHOLD HEINRICH BROCKES