Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Das Erdbeben

Die Erde hat gebebt und ihr geborstner Grund
Die Konigin am Meer verschlungen,
Und schwarzre Trubsal noch droht unsrem armen Rund
Von schwarmender Propheten Zungen:
Wie aus bemoostem Schutt der Uhu, wann die Nacht
In furchtbarn Schatten ihn verstecket,
Auf stille Dacher fliegt, selbst melancholisch wacht,
Und heulend mude Stadte wecket.
Auf Schwanenfedern horcht die Wollust und erschrickt;
Ein Schauer bebt durch ihre Glieder.
Der sorgenvolle Geiz, auch schlafend unerquickt,
Bebt heut und wuchert morgen wieder.
Propheten wimmeln stets in truber Zeit hervor:
Der leichte Pobel glaubt, er zittert,
Wie durres Laub im Herbst, und wie das schwache Rohr
Der Flugel eines Wests erschuttert.
Ihr Musen, die ihr einst, im Fruhling meiner Zeit,
Mich mit Ambrosia genahret,
Als ihr, in eurem Hayn voll heilger Dunkelheit,
Die deutsche Leyer mich gelehret!
Zufrieden dank ich euch, dab immer gleiche Lust
In meiner Seelen helle scheinet,
Und euer stiller Freund nicht, an der Thorheit Brust,
Nach Phantasien lacht und weinet.
O labt, zu aller Zeit, mein Antlitz heiter seyn,
Nicht blob in sonnenvollen Tagen,
Wann mich die Freude sucht, und Saitenspiel und Wein
Die Wolken vor mir her verjagen:
Nicht blob im dunklen Busch und wo die Nachtigall
Bald singend uber mir verweilet,
Bald an der Quelle seufzt, die reiner, als Crystall,
Geschwatzig uber Kiesel eilet.
Es muss’ auf meiner Stirn, wann schon die Erde bebt,
Der gottliche Gedanke schimmern,
Dab Tugend glucklich ist und meine Seele lebt,
Auch unter ganzer Welten Trummern!


Das Erdbeben - BARTHOLD HEINRICH BROCKES