Українська та зарубіжна поезія

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Die Fischer auf Capri

Hast du Capri gesehn und des felsenumgurteten Eilands
Schroffes Gestad als Pilger besucht, dann weibt du, wie selten
Dorten ein Landungsplatz fur nahende Schiffe zu spahn ist:
Nur zwei Stellen erscheinen bequem. Manch machtiges Fahrzeug
Mag der geraumige Hafen empfahn, der gegen Neapels
Lieblichen Golf hindeutet und gegen Salerns Meerbusen.
Aber die andere Stelle – sie nennen den kleineren Strand sie –
Kehrt sich gegen das odere Meer, in die wogende Wildnis,
Wo kein Ufer du siehst, als das, auf welchem du selbst stehst.
Nur ein geringeres Boot mag hier anlanden, es liegen
Felsige Trummer umher, und es braust die bestandige Brandung.
Auf dem erhohteren Felsen erscheint ein zerfallenes Vorwerk,
Mit Schiebscharten versehn; sei’s, dab hier immer ein Wachtturm
Ragte, den offenen Strand vor Algiers Flagge zu huten,
Die von dem Eiland oft Jungfrauen und Junglinge wegstahl;
Sei’s, dab gegen den Stolz Englands und erfahrene Seekunst
Erst in der jungeren Zeit es erbaut der Napoleonide,
Dem Parthenope sonst ausspannte die Pferde des Wagens,
Ihn dann aber verjagte, verriet, ja totete, seit er
Ans treulose Gestad durch schmeichelnde Briefe gelockt ward.
Steigst du herab in den sandigen Kies, so gewahrst du ein Felsstuck
Niedrig und platt in die Wogen hinaus Trotz bieten der Brandung;
Dort anlehnt sich mit rundlichem Dach die bescheidene Wohnung
Durftiger Fischer, es ist die entlegenste Hutte der Insel,
Blob durch riesige Steine geschutzt vor sturmischem Andrang,
Der oft uber den Sand wegspult und die Schwelle benetzt ihr.
Kaum hegt, irgend umher, einfachere Menschen die Erde;
Ja kaum hegt sie sie noch, es ernahrt sie die schaumende Woge.
Nicht die Gefilde der Insel bewohnt dies arme Geschlecht, nie
Pfluckt es des Ölbaums Frucht, nie schlummert es unter dem Palmbaum:
Nur die verwilderte Myrte noch bluht und der wuchernde Kaktus
Aus unwirtlichem Stein, nur wenige Blumen und Meergras;
Eher verwandt ist hier dem gewaltigen Schaumelemente
Als der beackerten Scholle der Mensch und dem uppigen Saatfeld.
Gleiches Geschaft erbt stets von dem heutigen Tage der nachste:
Immer das Netz auswerfen, es einziehn; wieder es trocknen
Über dem sonnigen Kies, dann wieder es werfen und einziehn.
Hier hat fruhe der Knabe versucht in der Welle zu platschern,
Fruhe das Steuer zu drehen gelernt und die Ruder zu schlagen,
Hat als Kind mutwillig gestreichelt den rollenden Delphin,
Der, durch Tone gelockt, an die Barke heran sich walzte.
Mog’ euch Segen verleihen ein Gott, samt jeglichem Tagwerk,
Friedliche Menschen, so nah der Natur und dem Spiegel des Weltalls!
Moge, da groberen Wunsch euch nie die Begierde gelispelt,
Moge der Thunfisch oft, euch Beute zu sein, und der Schwertfisch
Hier anschwimmen! Es liebt sie der Esser im reichen Neapel.

Gluckliche Fischer! wie auch Kriegssturme verwandelt den Erdkreis,
Freie zu Sklaven gestempelt und Reiche zu Durftigen, ihr nur
Saht hier Spanier, saht hier Briten und Gallier herrschen,
Ruhig und fern dem Getose der Welt, an den Grenzen der Menschheit,
Zwischen dem schroffen Gekluft und des Meers anschwellender Salzflut.
Lebet! Es lebten wie ihr des Geschlechts uralteste Vater,
Seit dies Eiland einst vom Sitz der Sirene sich losrib,
Oder die Tochter Augusts hier sube Verbrechen beweinte.


Die Fischer auf Capri - AUGUST VON PLATEN