Українська та зарубіжна поезія

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Die Vogelhutte

Regen, Regen, immer Regen! will nicht das Geplatscher enden,
Dab ich aus dem Sarge brechen kann, aus diesen Bretterwanden?

Sieben Schuhe ins Gevierte, das ist doch ein armlich Raumchen,
Fur ein Menschenkind, und war’ es schlank auch wie ein Rosenbaumchen!

O was lieb ich mich gelusten, in den Vogelherd zu fluchten,
Als nur schwach die Wolke tropfte, als noch flusterten die Fichten:

Und mub nun bestehn das Ganze, wie wenn zogernd man dem Schwatzer
Raum gegeben, dem langweilig Seile drehnden Phrasensetzer;

Und am Kopfe nun gehalten, oder schlimmer an den Handen,
Zappelnd, wie der Halbgehangte langet nach des Strickes Enden!

Meine Unglucksstrick’ sind dieser Wasserstriemen Lang’ und Breite,
Die verkorperten Hyperbeln, denn Bindfaden regnet’s heute.

Denk’ ich an die heitre Stube, an das weiche Kanapee,
Und wie mein Gedicht – das meine! – dort zerlesen wird beim Tee;

Denk’ ich an die schwere Zunge, die statt meiner es zerdrischt,
Bohrend wie ein Schwertfisch mocht’ ich schieben in den Wassergischt.

Pah! was kummern mich die Tropfen, ob ich nab, ob sauberlich!
Aber besser stramm und trocken, als durchnabt und – lacherlich.

Da – ein Fleck, ein Loch am Himmel; bist du endlich doch gebrochen,
Alte Wassertonne, hab’ ich endlich dich entzweigesprochen?

Aber wehe! wie’s vom Fasse brodelt, wenn gesprengt der Zapfen,
Hor’ ich’s auf dem Dache rasseln, formlich wie mit Fuben stapfen.

Regen! unbarmherz’ger Regen! mogst du braten oder sieden!
Wehe, diese alte Kufe ist das Fab der Danaiden!

* * * * * * * *

Ich habe mich gesetzt in Gottes Namen;
Es hilft doch alles nicht, und mein Gedicht
Ist langst gelesen, und im Schlob die Damen,
Sie saben lange zu Gericht.

Statt einen neuen Lorbeerkranz zu drucken
In meine Phoboslocken, hat man sacht
Den alten losgezupft und hinterm Rucken
Wohl Eselsohren mir gemacht.

Verkannte Seele, fasse dich im Leiden,
Sei stark, sei nobel, denk’, der Ruhm ist leer,
Das Leben kurz, es wechseln Schmerz und Freuden,
Und was dergleichen Neugedachtes mehr!

Ich schau mich um in meiner kleinen Zelle:
Fur einen Klausner war’s ein hubscher Ort;
Die Bank, der Tisch, das holzerne Gestelle
Und an der Wand die Tasche dort;

Ein Netz im Winkelchen, ein Rechen, Spaten –
Und Betten? nun, das macht sich einfach hier;
Der Thymian ist heuer gut geraten
Und bluht mir grade vor der Tur.

Die Waldung druben – und das Quellgewasser –
Hier mocht’ ich Heidebilder schreiben, zum Exempel:
“Die Vogelhutte”, nein – “der Herd”, nein, besser:
“Der Knieende in Gottes weitem Tempel.”

‘S ist doch romantisch, wenn ein zart Geriesel
Durch Immortellen und Wacholderstrauch
Umzieht und gleitet wie ein schlupfend Wiesel
Und druber flirrt der Stoberrauch;

Wenn Schimmer wechseln, weib und seladonen;
Die weite Ebne schaukelt wie ein Schiff,
Hindurch der Kibitz schrillt, wie Halkyonen
Wehklagend ziehen um das Riff.

Am Horizont die kolossalen Brucken –
Sind’s Wolken, oder ist’s ein ferner Wald?
Ich will den Schemel an die Luke rucken,
Da liegt mein Hut, mein Hammer, – halt:

Ein Teller am Gestell! – was mag er bieten?
Fundus! bei Gott, ein Fund die Brezel drin!
Fur einen armen Hund von Eremiten,
Wie ich es leider heute bin!

Ein seid’ner Beutel noch – am Bort zerrissen;
Ich greife, greife Rundes mit der Hand;
Weh! in die durre Erbs’ hab’ ich gebissen –
Ich dacht’, es seie Zuckerkand.

Und nun die Tasche! he, wir mussen klopfen –
Vielleicht liegt ein Gefangner hier in Haft;
Da – eine Flasche! schnell herab den Pfropfen –
Ist’s Wasser? Wasser? – edler Rebensaft!

Und Edlerer, der ihn dem Sack vertraute,
Splendid barmherziger Wildhuter du,
Fur einen armen Schelm, der Erbsen kaute,
Den frommen Bruder Tuck im Ivanhoe!

Mit dem Gekorn will ich den Kibitz letzen,
Es aus der Luke streun, wenn er im Flug
Herschwirrt, mir auf die Schulter sich zu setzen,
Wie man es lies’t in manchem Buch.

Mir ist ganz wohl in meiner armen Zelle;
Wie mir das Klausnerleben so gefallt!
Ich bleibe hier, ich geh’ nicht von der Stelle,
Bevor der letzte Tropfen fallt.

* * * * * * * *

Es verrieselt, es verraucht,
Mahlich aus der Wolke taucht
Ncu hervor der Sonnenadel.
In den feinen Dunst die Fichte
Ihre grunen Dornen streckt;
Wie ein schones Weib die Nadel
In den Spitzenschleier steckt,
Und die Heide steht im Lichte
Zahllos blanker Tropfen, die
Am Wacholder zittern, wie
Glasgehange an dem Luster.
Überm Grund geht ein Gefluster,
Jedes Krautchen reckt sich auf,
Und in langgestrecktem Lauf,
Durch den Sand des Pfades eilend,
Blitzt das goldne Panzerhemd
Des Kuriers; am Halme weilend
Streicht die Grille sich das Nab
Von der Flugel grunem Glas.
Grashalm glanzt wie eine Klinge,
Und die kleinen Schmetterlinge,
Blau, orange, gelb und weib,
Jagen tummelnd sich im Kreis.
Alles Schimmer, alles Licht;
Bergwald mag und Welle nicht
Solche Farbentone hegen,
Wie die Heide nach dem Regen.

* * * * * * * *

Ein Schall – und wieder – wieder – was ist das? –
Bei Gott, das Schlob! Da schlagt es Acht im Turme –
Weh, mein Gedicht! o weh mir armem Wurme,
Nun fallt mir alles ein, was ich vergab!

Mein Hut, mein Hammer, hurtig fortgetrabt –
Vielleicht, vielleicht ist man diskret gewesen
Und harrte meiner, der sein Federlesen
Indes mit Kraut und Wurmern hat gehabt. –

Nun kommt der Steg und nun des Teiches Ried,
Nun steigen der Alleen schlanke Streifen;
Ich weib es nicht, ich kann es nicht begreifen,
Wie ich so ganzlich mich vom Leben schied –
Doch freilich – damals war ich Eremit!


Die Vogelhutte - ANETTE VON DROSTE-HUELSHOFF