Українська та зарубіжна поезія

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Unvollkommenes Gedicht uber die Ewigkeit

Ihr Walder! wo kein Licht durch finstre Tannen strahlt
Und sich in jedem Busch die Nacht des Grabes malt;
Ihr hohlen Felsen dort! wo im Gestrauch verirret
Ein trauriges Geschwarm einsamer Vogel schwirret;
Ihr Bache! die ihr matt in durren Angernfliebt
Und den verlornen Strom in ode Sumpfe giebt;
Erstorbenes Gefild und grausenvolle Grunde,
O dab ich doch bei euch des Todes Farben funde!
O nahrt mit kaltem Schaur und schwarzem Gram mein Leid!
Seid mir ein Bild der Ewigkeit!
Mein Freund ist hin!
Sein Schatten schwebt mir noch vor dem verwirrten Sinn,
Mich dunkt, ich seh sein Bild und hore seine Worte;
Ihn aber halt am ernsten Orte,
Der nichts zu uns zurucke labt,
Die Ewigkeit mit starken Armen fest.
Kein Strahl vom Kunftigen verstorte seine Ruh,
Er sah dem Spiel der Welt noch heut geschaftig zu;
Die Stunde schlagt, der Vorhang fallt,
Und alles wird zu nichts, was ihm so wurklich schien.
Die dicke Nacht der oden Geister-Welt
Umringt ihn jetzt mit schreckenvollen Schatten;
Und die Begier ist, was er noch behalt
Von dem, was seine Sinnen hatten.
Und ich? bin ich von hoherm Orden?
Nein, ich bin, was er war, und werde, was er worden;
Mein Morgen ist vorbei, mein Mittag ruckt mit Macht,
Und eh der Abend kommt, kann eine fruhe Nacht,
Die keine Hoffnung mehr zum Morgen wird versuben,
Auf ewig mir die Augen schlieben.
Furchtbares Meer der ernsten Ewigkeit!
Uralter Quell von Welten und von Zeiten!
Unendlichs Grab von Welten und von Zeit!
Bestandigs Reich der Gegenwartigkeit!
Die Asche der Vergangenheit
Ist dir ein Keim von Kunftigkeiten.
Unendlichkeit! wer misset dich?
Bei dir sind Welten Tag’ und Menschen Augenblicke.
Vielleicht die tausendste der Sonnen walzt itzt sich,
Und tausend bleiben noch zurucke.
Wie eine Uhr, beseelt durch ein Gewicht,
Eilt eine Sonn, aus Gottes Kraft bewegt;
Ihr Trieb lauft ab und eine zweite schlagt,
Du aber bleibst und zahlst sie nicht. Der Sterne stille Majestat,
Die uns zum Ziel befestigt steht,
Eilt vor dir weg, wie Gras an schwulen Sommer-Tagen;
Wie Rosen, die am Mittag jung
Und welk sind vor der Dammerung,
Ist gegen dich der Angelstern und Wagen.
Als mit dem Unding noch das neue Wesen rung
Und, kaum noch reif, die Welt sich aus dem Abgrund schwung,
Eh als das Schwere noch den Weg zum Fall gelernet
Und auf die Nacht des alten Nichts
Sich gob der erste Strom des Lichts,
Warst du, so weit als itzt, von deinem Quell entfernet.
Und wann ein zweites Nichts wird diese Welt begraben,
Wann von dem alles selbst nichts bleibet als die Stelle,
Wann mancher Himmel noch, von andern Sternen helle,
Wird seinen Lauf vollendet haben,
Wirst du so jung als jetzt, von deinem Tod gleich weit,
Gleich ewig kunftig sein, wie heut.
Die schnellen Schwingen der Gedanken,
Wogegen Zeit und Schall und Wind
Und selbst des Lichtes Flugel langsam sind,
Ermuden uber dir und hoffen keine Schranken.
Ich haufe ungeheure Zahlen,
Geburge Millionen auf;
Ich walze Zeit auf Zeit und Welt auf Welten hin,
Und wann ich auf der March des Endlichen nun bin
Und von der furchterlichen Hohe
Mit Schwindeln wieder nach dir sehe,
Ist alle Macht der Zahl, vermehrt mit tausend Malen,
Noch nicht ein Teil von dir;
Ich tilge sie, und du liegst ganz vor mir.
O Gott! du bist allein des Alles Grund!
Du, Sonne, bist das Mab der ungemebnen Zeit,
Du bleibst in gleicher Kraft und stetem Mittag stehen,
Du gingest niemals auf und wirst nicht untergehen,
Ein einzig Itzt in dir ist Ewigkeit!
Ja, konnten nur bei dir die festen Krafte sinken,
So wurde bald, mit aufgesperrtem Schlund,
Ein allgemeines Nichts des Wesens ganzes Reich,
Die Zeit und Ewigkeit zugleich,
Als wie der Ozean ein Tropfchen Wasser, trinken.
Vollkommenheit der Grobe!
Was ist der Mensch, der gegen dich sich halt!
Er ist ein Wurm, ein Sandkorn in der Welt;
Die Welt ist selbst ein Punkt, wann ich an dir sie messe.
Nur halb gereiftes Nichts, seit gestern bin ich kaum,
Und morgen wird ins Nichts mein halbes Wesen kehren;
Mein Lebenslauf ist wie ein Mittags-Traum,
Wie hofft er dann, den deinen auszuwahren?
Ich ward, nicht aus mir selbst, nicht, weil ich werden wollte;
Ein Etwas, das mir fremd, das nicht ich selber war,
Ward auf dein Wort mein Ich. Zuerst war ich ein Kraut,
Mir unbewubt, noch unreif zur Begier;
Und lange war ich noch ein Tier,
Da ich ein Mensch schon heiben sollte.
Die schone Welt war nicht fur mich gebaut,
Mein Ohr verschlob ein Fell, mein Aug einStar,
Mein Denken stieg nur noch bis zum Empfinden,
Mein ganzes Kenntnis war Schmerz, Hunger und die Binden.
Zu diesem Wurme kam noch mehr von Erdenschollen
Und von des Mehles weibem Saft;
Ein innrer Trieb fing an, die schlaffen Sehnen
Zu meinen Diensten auszudehnen,
Die Fube lernten gehn durch fallen,
Die Zunge beugte sich zum Lallen,
Und mit dem Leibe wuchs der Geist.
Er prufte nun die ungeubte Kraft,
Wie Mucken tun, die, von der Warme dreist,
Halb Wurmer sind und fliegen wollen.
Ich starrte jedes Ding als fremde Wunder an;
Ward reicher jeden Tag, sah vor und hinter heute,
Mab, rechnete, verglich, erwahlte, liebte, scheute,
Ich irrte, fehlte, schlief und ward ein Mann!
Itzt fuhlet schon mein Leib die Naherung des Nichts!
Des Lebens lange Last erdruckt die muden Glieder;
Die Freude flieht von mir mit flatterndem Gefieder
Der sorgenfreien Jugend zu.
Mein Ekel, der sich mehrt, verstellt den Reiz des Lichts
Und streuet auf die Welt den hoffnungslosen Schatten;
Ich fuhle meinen Geist in jeder Zeil ermatten
Und keinen Trieb, als nach der Ruh!

Auf dab sich niemand an den Ausdrucken argere, worin ich von dem Tode, als von einem Ende des Wesens, oder der Hoffnung spreche, so ist es notig zuberichten, dab alle diese Reden Einwurfe haben sein sollen, die ich wurde beantwortet haben, wann ich fahig ware, diese Ode zu Ende zu bringen. Ein zweites Leben ist dennoch ausdrucklich angenommen.


Unvollkommenes Gedicht uber die Ewigkeit - ALBRECHT VON HALLER
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