Der Asket - GEORG HEYM

Hinsterbend Haupt, das in der bleichen Pracht
Dem Monde gleicht in sternenloser Nacht,
Des schwarzes Haar der Winde Jagen streicht,
Dab Wolken gleich zur schneeigen Stirn es weicht.

Des Auges Tiefe wie ein Meer ohn Grund,
Darin verloren eine Trane flirrt.
Doch um des Dulders schmalen Greisenmund
Wahnsinnger Qualen subes Lacheln irrt.

Kaum horbar, langsam, noch das Herz ihm klopft
Das Blut von seinen Handen sparlich tropft.
Da stockt das Herz, das schwarze Blut versiegt.
Ein Schein von wilder Lust das Haupt umfliegt.

Die Hande krampfen um die Nagel sich.
Die Arme zerren wutend am Gebalk.
Ein Schatten sinkt, wie schwarzen Fittichs Strich.
Das Haupt sinkt auf die Brust hernieder welk.

Still wird es rings. Es schweigt der Knechte Streit
Um seinen Mantel. Einer nimmt den Speer
Und stobt ihn in die nackte Lende breit.
Nur Wasser kommt. Der Leib ist Blutes leer.

Doch ihm zu Fuben tut der Grund sich auf.
Der Purpurvorhang in dem Tempel bricht
Und schwarze Nacht wird hinter Kreuzes Knauf.
Des Toten Antlitz brennt in weibem Licht.

Der Asket